Forex Online Geheimnisse

Tauge ich zum Forex Trader? Teil I

Wenn ich mich bei Ihnen beliebt machen will, müsste ich jetzt vermutlich einfach mit „ja“ antworten. Das will ich aber nicht. Denn beim Devisenhandel geht es nicht um beliebt oder unbeliebt, sondern es geht um Fähigkeiten, die man hat oder eben nicht. Denn der Forexmarkt ist  gerecht, er behandelt alle gleich, ihm ist es egal, ob man studiert, in der Schule sitzen geblieben, berühmt oder ein Niemand ist.

Und er ist ein launischer Kerl, der scheinbar höchst sensibel auf alle seine Händler reagiert, aber im Grunde genommen ist es ihm völlig gleichgültig, wer gewinnt und wer verliert.  Er ist wie ein Drachen, ein Fabeltier, das sich in Schall und Rauch auflöst, wenn keiner mehr tauscht, wenn keiner mehr mit Devisen handelt.  Er ist sich selbst genug, doch unberechenbar und daher kann man ihm nur erfolgreich beikommen, wenn man sich auf sich selbst verlassen kann und stets Selbstdisziplin übt.

Jetzt wollen wir aber nicht gleich zu Beginn die Königsdisziplin der Selbstbeherrschung bemühen, ansonsten sich der eine oder andere einbilden könnte, er leihe sich schnell ein Buch, lese ein paar Kapitel darüber und wäre dann gleich Herkules. Viel eher betrachten wir zunächst einmal, was man sich als angehender Trader gleich abschminken sollte, und wo es beim erfolgreichen Handeln gerade eben nicht drauf ankommt.

Theorie und Praxis im Devisenhandel

„Traden“ heißt zu Deutsch „handeln“, und handeln ist etwas Praktisches und somit das genaue Gegenteil von Theorie. Die Theorie ist von Natur aus fehlerfrei, die Praxis fehlerhaft. Und deshalb ist es ein Irrglaube, dass man ein guter Trader wird, wenn man möglichst viele Selbsterfahrungs-Bücher liest, die Liste seiner Forex-Literatur besonders lang und englisch zu sein hat, und man die Kurse der Hauptwährungen herunter beten kann.  Das hört sich zwar gut an, fühlt sich vielleicht auch noch gut an, das nützt einem aber alles nichts, wenn man mangels Disziplin einen Trade vollkommen in den Sand setzt. Verzicht, nichts tun, nicht handeln, sondern den Trade einfach sausen lassen, wäre vielleicht hier angesagt gewesen. Aber das ist ein Stück Lebenspraxis, ja, Traderpraxis, die man in der Theorie vielleicht kennt, die man im realen Leben aber nicht umsetzen kann, weil einem im entscheiden Moment die Gefühle der Angst den Verstand vernebeln.

Betrachten wir doch einmal kurz das Fachwissen eines Forextraders. Grundvoraussetzung ist, dass man einen Chart lesen kann, ein gutes Money- und Risikomanagement hat, über seine Trades Buch führt und mit Hilfe seiner Tools weiß, wann man in den Handel ein- und auszusteigen hat. Alle anderen, oftmals so heiß angepriesenen komplexen Methoden oder Tradingsysteme, die in Vorträgen oder Bücher angepriesen werden, sind nur Dekoration. Nicht, dass sie bei einem erfahrenen Trader nicht funktionieren, das tun sie. Sie tun es aber aus dem Grunde, weil er alle anderen flankierenden Maßnahmen noch kennt und diese beherrscht. Und nicht weil sie der „Heilige Gral“ sind, wie man dem Anfänger glauben machen will, damit er sie kauft. Ein erfahrener und erfolgreicher Trader kann gelinde gesagt, bei jedem Einstieg erfolgreich traden, weil er sich beherrscht und aus einem falschen Trade schnell die richtigen Schlüsse ziehen kann.

Dem Anfänger sei daher empfohlen, nicht jedem Hype hinterherzulaufen und eine Methode nach der anderen auszuprobieren. Man sollte sich erst richtig mit einer vertraut machen, ihr Regelwerk genausten studieren und bei Bedarf nachjustieren, Fehler aufspüren und ausmerzen, damit man die Logik dahinter versteht und auf seine Persönlichkeit abstimmen kann.

Ist Forex traden nur etwas für Intelligente?

Nun gibt es in jedem  Beruf sehr erfolgreiche Leute, Mathematiker, die gut mit Zahlen umgehen können, Manager die schnelle Entscheidungen treffen müssen, Unternehmer die ohnehin alles im Griff haben. Oder all die Studierten, denen man gemeinhin einen hohen Intelligenzquotienten attestiert. Sind das die idealen erfolgsgekrönten Trader?

Um es vorwegzunehmen, nein. Denn was nützt jemanden seine ganze Intelligenz und seine Bildung beim Handel am Devisenmarkt, wenn er sich auf sich selbst nicht verlassen kann und sich von seinem Gefühl austricksen lässt? Jeder Trader weiß zwar, er sollte billig kaufen und teuer verkaufen. Aber in der Realität sieht die Wirklichkeit ganz anders aus. Denn da setzt man auch gerne auch mal einen Stopp nur in Gedanken und schon nimmt die Katastrophe ihren Lauf, der Trade geht schief. Man ist aufgewühlt und versucht es noch einmal, der nächste Trade wird auch ein Fehltrade. Und jetzt sitz man mit feuchten Händen vor dem Computer, der Puls beginnt zu rasen und man hat das Gefühl eine eiserne Hand legt sich einem um die Brust und drücke einem die Kehle zu.

Fehltrades und die Angst

Was ist das, Was passiert da? Das sind die körperlichen Anzeichen von Angst, von Panikattacken. Jeder kennt sie, auch ohne zu traden. Spätestens jetzt müsste man den Computer herunterfahren, abschalten, weggehen. Denn der Verstand wird mit einer Flut von negativen Emotionen wie Hass, Wut, Schmerz und Verzweiflung überrollt und ausgeschaltet. Man reagiert blindlings wie ein angegriffenes Tier, man agiert nicht mehr. Und das ist der Tod eines erfolgreichen Trades.

Bringt man es fertig, sich an dem Tag vom Markt und vom Computer zu trennen, dann war das eine vielleicht teure aber gute Lehrstunde in Sachen Selbsterfahrung. Bringt man es nicht fertig, sondern tradet in dieser Panikstimmung weiter, am nächsten Tag und an den Tagen danach, dann kommt es vermutlich zum „Drawdown“, einer Phase mit acht oder 10 Fehltrades. Das ist furchtbar, schmerzlich und zermürbend. Das passiert aber, das ist Trader-Praxis, das lässt sich nicht immer vermeiden. Aber es ist nicht das Ende eines Traders. Das Ende eines Traders ist erst gekommen, wenn er ganz aufgibt.

Der „Heilige Grahl“

Solche Krisen können wohl ans Eingemachte gehen, sie können einem nachts den Schlaf und tagsüber die Konzentration rauben und große Selbstzweifel auslösen. Doch wenn man weiß, dass solche Krisen zum Leben eines Forex-Händlers gehören, sollte man sich eine zweite Chance geben. Man sollte zur Ruhe kommen, nicht traden, sondern loslassen, immer wieder loslassen, sich das Recht eingestehen, Fehler gemacht zu haben. Man sollte den Mut entwickeln zu sagen: ja ich habe versagt, man sollte lernen sich und seine Schwächen anzunehmen.

Denn dann wird man etwas ändern. Man wird seine Einstellung ändern. Man wird nach und nach einsehen, dass der der „Heilige Gral“ nicht in irgendeinem Tool, einem Regelwerk, in Büchern, Charts oder in irgendwelchen Methoden oder bei einem selbsternannten Guru zu finden ist, sondern in einem selbst. Der „Heilige Gral“ liegt in der Psyche jedes einzelnen. Und wenn man das erkannt hat, dann ist man auf dem besten Weg ein erfolgreicher Forex-Trader zu werden. Dann hatte die Krise auch einen Sinn. Dann hatte die Krise den Sinn, eine Persönlichkeitsentwicklung auszulösen und anzuschieben, die ohne sie nie stattgefunden hätte.

Comments (3)

brubakerMarch 22nd, 2012 at 5:55 pm

Exzellent geschrieben, Danke!

HeidiNovember 28th, 2012 at 4:01 pm

Ich tauge eher nicht dazu 😉 die tests im demokonto haben mir das ganz deutlich gezeigt, das mir die nerven dazu nicht reichen …

StanApril 23rd, 2013 at 4:03 am

Sehr guter und interessanter Beitrag. Wer seine Nerven behalten kann und über das nötige Wissen verfügt, der taugt auch zum Trader.

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